Nach der Schulschließung – vor den Ferien. Ich ziehe Bilanz.

Rund 3 Monate Schulschließung und teilweise Öffnung liegen nun hinter uns. Bald schon soll alles wieder zum „Regelbetrieb“ übergehen.

Ich ziehe an dieser Stelle eine bittere Bilanz, die auch mit der Art der Berichterstattungen zu tun hat.

Der Fokus lag größtenteils darauf, die Probleme der Schulschließung zu thematisieren. Dabei wurden Betreuungsfragen nicht von Bildungsfragen getrennt und so wünschen sich nun alle das alte Schulsystem zurück. Vereinzelt gab es Beispiele, wie man die Situation ganz gut digital meisterte (nicht selten war dies ein Frontalunterricht 2.0, getaktet nach Stundenplan, mit Einstiegs Wissenstest und Lehrervortrag). Aber ein Bericht, der sogar so weit geht zu sagen, es war jetzt besser als vorher, fehlt. Aber diese Beispiele gibt es! Und von diesen Beispielen hätten wir lernen können, wie wir Bildung nachhaltig verändern können, um Schülerinnen und Schüler zum selbstständigen Lernen zu befähigen – egal ob es zur Zeit einer zweiten Corona-Welle ist oder im weiteren Leben, wenn sie die Schule verlassen haben. Und vollkommen losgelöst von technikgetragenen Digitalisierungsdebatten.

Für mich ist es schwer auszuhalten dabei zuzusehen, wie man jetzt alle Bemühungen darauf richtet, das alte System wieder herzustellen – wenn es sein muss sogar ohne Abstandsgebot, während andere Berufsgruppen wegen fehlender Lockerungen um ihre Existenz kämpfen. Es ist ernüchternd zu sehen, wie robust dieses Jahrhunderte alte Bildungssystem ist, dass es sogar einen schulenschließenden Virus übersteht. Hätte man mehr auf die positiven Beispiele und Erfahrungen geschaut, hätte es eher eine Chance auf Veränderung gegeben. Jetzt wurde das alte System, als das funktionierende, gewohnte und etablierte durch diese Krise noch gestärkt. Und ich fragen mich und euch, wie lange wird es jetzt dauern, bis sich etwas verändert?

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